Liebe Eltern,

wahrscheinlich werden ja morgen nach Ferienbeginn noch einmal Ministerbriefe an Sie zu verteilen sein, aber ich traue mich trotzdem an einen Jahresabschluss heran:

Erneut geht ein für Ihre Kinder schwieriges Jahr zu Ende.
Es begann (zum Glück) damit, dass sich die Landesregierung NICHT an die Absprachen in Berlin gehalten hat.
Ab Januar sollten nämlich alle Grundschulkinder zu Hause bleiben, was in fast allen Bundesländern auch so war.
Ihre Kinder durften bis kurz vor den Sommerferien wenigstens alle zwei Tage zur Schule kommen.

Diese Präsenztage mit den kleinen Lerngruppen haben viele Kinder sehr gemocht, die Tage ohne Schulbesuch weniger.
Die Grundschule Harpstedt hat, anders als andere Schulen, am Stundenplan festgehalten und so im Präsenzunterricht alle Fächer weiter unterrichtet.
Natürlich um die Hälfte reduziert.
An den Zu-Hause-Tagen haben Ihre Kinder fast nur Mathematik und Deutschaufgaben bekommen.
Weil sich 90% von Ihnen gut um die Kinder gekümmert haben, haben sie viel gelernt, vielleicht teilweise mehr als ohne Corona.
Die anderen haben den Anschluss verloren. Der Prozentsatz ist nicht anders als sonst, es geht aber viel schneller bergab, wenn die Kinder nicht hier sind.

Für das Team der Schule war es sehr arbeitsaufwändig und belastend. Es waren in jeder Klasse und Stunde vier Gruppen zu berücksichtigen:
– die anwesenden Kinder,
– die, die jeden zweiten Tag zu Hause waren,
– die gänzlich abgemeldeten,
– die Notbetreuungskinder.
Das Ganze ohne jede Zusatzressource!

Kurz vor den Sommerferien kamen plötzlich alle Kinder wieder in die Schule, als wir uns an die individuelle, ruhige Art zu arbeiten gewöhnt hatten. Das war zunächst ein Schock für Kinder und Team.

Im Schuljahr 2021-2022 waren immer alle Kinder hier, aber eingeschränkt ist das Schulleben und -lernen immer noch:
– es gibt keine offenen Unterrichtsformen.
– Lernen mit Partnern oder Gruppen geht nicht.
– Lerntheken und Ähnliches: Geht nicht.
– Maskentragen im Unterricht ist belastend.
– Die Pausenmöglichkeiten sind beschränkt.
– Die Fenster trotz Straßen- und Baulärms immer offen.

Das tolle kontaktlose Verhalten des letzten Jahres ist vorbei, es wird getreten, geschlagen, gespuckt, gerne von Kindern uneinsichtiger Eltern, es sind mehr Aufsichten nötig.
Kranke Kinder werden wieder in die Schule geschickt.
Hände waschen etc. hat nachgelassen, „Magen-Darm“ ist wieder da.

Das Team plante im ganzen Schuljahr wie versprochen das Schulleben (Projekttage, Schulfahrten, Theater, Polizeipuppenbühne, Sportevents, das Zirkusprojekt etc.); manches hat geklappt, manches durften wir plötzlich nicht, anderes hat der Koop-partner abgesagt.

Heute, am 21.12.2021, sitzen Ihre Kinder bei -4° C bei offenen Fenstern in den Klassenräumen.
Obwohl die Bundesregierung eine Komplettfinanzierung einer wirkungsvollen Luftaustauschanlage zugesagt hat, bekommen wir sie nicht.
Stattdessen hat die Samtgemeinde in brummende, nahezu wirkungslose Geräte investiert.
Also müssen wir lüften, lüften, lüften.

Wie gesagt, es ist belastend, besonders für die Kinder, und Schule ist keineswegs „normal“, wie uns manche glauben lassen wollen!

Trotzdem wünschen wir als Grundschule Harpstedt allen Familien ein frohes Fest und einen guten Übergang ins Jahr 2022.

Mit freundlichen Grüßen
U. Janssen, Rektor